Geteiltes Leid = halbes Leid?
Dem stimme ich nicht (mehr) uneingeschränkt zu. Für den, der es teilt, mag es im ersten Moment eine gewisse Erleichterung bringen.
Doch je öfter ein Leid geteilt, also erzählt wird, desto tiefer prägt es sich ins Gedächtnis ein. Hinzu kommt die Tendenz, die Geschichte mit der Zeit etwas drastischer zu erzählen – meist unbemerkt. Das Leid „wächst“. Wer so mit all seinen „Leiden“ verfährt, füllt sein Gedächtnis zunehmend mit Negativem, die Freuden werden regelrecht übertüncht. Und so wird der Mensch nach und nach immer negativer.
Anders verhält es sich mit der Freude. Geteilte Freude 𝐈𝐒𝐓 doppelte Freude! Jedes Mal, wenn man eine Freude teilt, freut man sich von Neuem. Und der andere freut sich mit. Und beider Gedächtnisse füllen sich mit Schönem. Das kann die innere Haltung hin zu mehr Positivität verändern.
(Ich will damit keineswegs sagen, dass man alle Probleme für sich behalten soll. Sich eine Sorge von der Seele reden – das tut zweifellos gut. Ein(e) gute(r) Freund(in) kann das durchaus verkraften. Und: Wer Rat braucht, muss sie jemandem erzählen; da kommt man nicht drum herum. Aber während man beim Teilen von Freude verschwenderisch sein darf, sollte man mit dem Teilen von Leid so sparsam wie möglich umgehen – für sich selbst und für die anderen.)
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